Wir schreiben den Oktober 2011. Damals lebte ich meinen Kindheitstraum als freier Redakteur in der Spielebranche – und war irgendwie angeödet. Die Games, die ich testete, waren alle so gefällig. Unskippbare Tutorials fraßen meine Vorfreude auf den Rest und man wurde so sehr an der Hand genommen, dass man nur noch mit böser Absicht scheitern konnte. Ja, ich hatte die Faszination für das Medium ein bisschen verloren. Doch in diesem Monat erschien, zumindest in den USA, das erste Dark Souls und hatte bereits seinen Ruf weg. Was soll ich sagen? Ich bin hart abgeprallt … doch ein anderes From-Software-Spiel schaffte es schließlich, meine Begeisterung für Videospiele neu zu entfachen: Bloodborne.
Das verflixte zweite Mal
Wo ich in Dark Souls nicht mal über den Asylum Demon hinauskam, hat mich die düstere Welt von Yharnam direkt gepackt. Diese viktorianisch-gothischen Bauten, die alptraumhafte Atmosphäre, das hat mich abgeholt. Ich hatte richtig Bock! Aber leider keine Ahnung. Die heute so berühmte Soulsborne-Formel war mir komplett fremd. Ständig legte mich der erstbeste Dorfbewohner flach und die Werwölfe raubten mir den letzten Nerv. Ich glaube, ich bin auf diesem scheiß Dorfplatz öfter verreckt als in meiner gesamten Karriere als Spieletester bis dahin. Und als solcher war ich es schlicht nicht gewohnt, dass man so hart scheitern kann. Anscheinend war diese Art Spiel nichts für mich.
Und doch ging mir diese Welt nicht mehr aus dem Kopf! Vielleicht kennst du das Gefühl, wenn man ein Spiel oder einen Film genervt ausmacht, dann aber weiter drüber nachdenkt. So war es bei mir und Bloodborne. Und weil mir mein Ruf als Gamer völlig schnuppe ist, hab ich es nochmal probiert und diesmal die Hilfe von Guides in Anspruch genommen. Siehe da, nach und nach feierte ich kleine Erfolge und Einsichten: Hey, ich muss gar nicht jeden Gegner töten, sondern kann weglaufen! Wow, das ist ja eine Abkürzung! Ach so funktioniert das Parieren! Doch es brauchte einen ganz bestimmten Bosskampf, bis es bei mir Klick machte. Nein, es war nicht Father Gascoigne.
Gift und Galle
Es war ausgerechnet ein optionaler Bosskampf! Was ich damals natürlich nicht wusste. Die Rede ist vom Blood-Starved Beast. Alter, dieser Kampf hat mir alles abverlangt. Ich bin mehrfach ausgerastet, weil diese vermaledeite Kreatur mit ihrem – wörtlich und im übertragenen Sinne – ätzenden Gift einfach nicht sterben wollte! Wäre der Weg zum Boss nicht ausnahmsweise so angenehm kurz gewesen, hätte ich wahrscheinlich abgebrochen …
Aber jetzt wollte ich es wissen. Ich schaute mir mehr Guides an. Beschwörte Alfred an meine Seite. Farmte Blutphiolen und ärgerte mich, dass mein Vorrat an Molotovs für nichts und wieder nichts verbraten wurde. Aber ich gab nicht auf. Trat wieder und wieder durch den Nebelschleier der zerfallenen Kirche. Und irgendwann war es soweit: Die Lebenspunkteanzeige ging auf null – und es war nicht meine! Dieser Moment des Triumphes hat in mir echt was ausgelöst. Ich bin jubelnd aufgesprungen, mit zitternden Händen und voller Adrenalin. So was hatte seit Jahren kein Game in mir ausgelöst! Ich fühlte mich wie mit 12, als ich den Endkampf in Ocarina of Time geschafft hatte.
Aus Frust wird Obsession
Der Kampf gegen das Blood-Starved Beast ist bis heute ein Highlight meiner Gaming-Karriere. Er sorgte dafür, dass ich die Bosskämpfe nicht mehr fürchtete, sondern herbeisehnte. Weil das Gefühl des Triumphes so unschlagbar ist wie Ludwig, the Holy Blade im ersten Anlauf! Jetzt gab es kein Halten mehr. Ich hab Bloodborne danach wie im Rausch durchgespielt. Mehrfach. Als wir an Silvester mit unserem damals neuen Hund vor den Böllern in ein Hotel in der Pampa flohen, nahm ich die PlayStation mit und legte die Shadows of Yharnam mit dem Tonitrus. Weil ich die kryptische Story nicht verstand, arbeitete ich mich in die Lore ein, schaute ein Video von VaatiVidya nach dem anderen und investierte mehr Geld als nötig in Art- und Companion-Books.
Meine neu gewonnene Faszination brachte mich natürlich auch zu Dark Souls zurück. Überraschung: Das taugt ja was! Dark Souls III kam mir danach regelrecht einfach vor! Im Gegensatz zu Sekiro: Shadows Die Twice, das ich ohne die Videos von Tyrannicon ("Greetings! Sekiro Guru here!") wohl nie auf 100% geschafft hätte. Nur Elden Ring, das ein hervorragendes Spiel ist, war mir einen Tick zu groß, was vielleicht auch an meinem nunmehr begrenzteren Zeitbudget lag.
Mein innerer 12-Jähriger sagt Danke
Ich denke, dass das erste durchgespielte Soulsborne immer das ist, was man als besonders schwierig wahrnimmt. Es ist aber vermutlich auch das Spiel, das man am meisten liebt. Zumindest geht es mir mit Bloodborne so. Dem Spiel, das etwas geschafft hat, was zuvor nur wenigen Titeln gelungen ist:
Ocarina of Time und Mario 64 haben dem kindlichen Tim das Gefühl von echter Freiheit und epischen Ausmaßen gegeben. Diablo II und Resident Evil 4 überzeugten mein jugendliches Ich mit ihrem düsteren Cool-Faktor. The Last of Us präsentierte mir als Erwachsenem eine passend erwachsene Geschichte. Um mal ein paar Beispiele zu nennen.
Aber erst Bloodborne und dann die anderen From-Software-Spiele gaben mir die verloren geglaubte Leidenschaft für das gesamte Medium zurück. Und auch wenn ich heute mehr Zeit mit Filmen und Büchern verbringe, hat es kein anderes Popkulturgut geschafft, dass ich jubelnd und mit zitternden Händen von der Couch aufspringe.
Umfrage: Das beste From-Software-Spiel
An der Stelle ist es Zeit für eine kleine Umfrage: Ich würde gern wissen, was deiner Meinung nach das beste From-Software-Spiel ist! Wenn du also die paar Sekunden hast, würde ich mich freuen, wenn du zwei Fragen beantworten würdest.
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